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Neuer Fechttrainer des OSC: "Ich will hier etwas entwickeln"

Osnabrück. Im Fechtkeller des Osnabrücker SC an der Hiärm-Grupe-Straße weht seit dem 6. Januar ein frischer Wind. Mit Mered Pagalov erhielten die rund 40 Fechter des Osnabrücker SC einen neuen hauptamtlichen Übungsleiter. Der 50-jährige Russe beerbte seinen Landsmann Sergej Rassolko. Was zieht den ehemaligen Nationaltrainer von Thailand und Schweden nach Osnabrück?

Rassolko hatte sich im vorigen Oktober nach knapp drei Jahren in Osnabrück Richtung New York verabschiedet. Mehrere Wochen mussten die Fechter des Osnabrücker SC daraufhin ohne Übungsleiter auskommen. Seit den vergangenen Herbstferien ist diese Zeit jedoch vorbei.

Pagalov gab kürzlich beim deutschen U-20-Ranglistenturnier in der OSC-Halle einen vielversprechenden Einstand. Ein paar kurze Erklärungen, einige präzise Anweisungen, ein schwungvoller Abklatscher – er fand sofort den richtigen Draht zu seinen neuen Schützlingen wie Femke Bücker bestätigt. „Er hat auf Anhieb die Fehler bei mir erkannt. Das beeindruckt mich. Genau diese Fehler hatte schon mein alter Trainer bei mir bemängelt. Das zeigt, er hat Ahnung. Er kommt außerdem total sympathisch rüber“, lobte die 17-jährige Degenfechterin, die in Zukunft als derzeitige deutsche Degen-Ranglisten-23. bei der U20 von dem neuen Coach enorm profitieren könnte. 

Test-Übungseinheiten für Trainer

Bis beim OSC die Wahl auf Pagalov allerdings gefallen war, gab es ein gut durchdachtes Auswahlverfahren, wie Fecht-Abteilungsleiter Thomas Müller erklärt. Nach dem Eingang mehrerer Bewerbungen habe man dem alten Trainer Videos von Trainingseinheiten der Anwärter gezeigt. Gemeldet hatten sich auf eine Anzeige fünf Russen, drei Serben, zwei Italiener und sogar ein Ägypter. „Danach wurden zwei Bewerber eingeflogen, die vor Ort Test-Übungseinheiten mit unseren Fechtern abgehalten haben. Diese wurden erneut bewertet, diesmal von unserem alten Trainer, dem Leiter der Trainerausbildung des deutschen Fechterbundes im Bereich Degen, Rorik Janssen, sowie von unserem ehemaligen pensionierten Trainer Andrzej Ewertowski“, erklärt Müller das Prozedere. „Außerdem haben wir unsere Jugendlichen befragt, und die waren gleich von Mered Pagalov hellauf begeistert“, sagt Müller.

Pagalov ist schon gut herum gekommen. Zwar hat der 50-Jährige keine eigene große Karriere vorzuweisen wie andere. Dafür genießt er aber durchaus einen guten Ruf als Trainer. Als Nationaltrainer Thailands konnte er erstmalig einen dortigen Degenfechter unter die Top 64 der Welt bringen. Eine weitere Station war die als Nationalcoach von Schweden. 

„Hier gibt es viele nette Menschen, die einem behilflich sind, habe ich recht schnell festgestellt. Der Verein bietet gute Bedingungen. Und die Stadt ist ganz schön“, beschreibt Pagalov seine ersten Eindrücke von seinem neuen Umfeld. „Ich bin Fechttrainer aus Leidenschaft, und der OSC braucht meine Hilfe. Deshalb bin ich hier. Es spielt dabei keine Rolle, dass der OSC im Fechten in Deutschland nicht zu den großen Vereinen gehört. Ich will hier etwas entwickeln. Ich möchte den Jugendlichen das Fechten richtig beibringen und denke, das kann ich ganz gut. Wenn das so läuft, bleibe ich länger, wenn der Verein es möchte.“

Es könnte in der Tat zu einer längeren Zusammenarbeit kommen als die vereinbarten 18 Monate. Diese Aussicht gibt Müller. „Wir haben alle sofort ein gutes Gefühl gehabt und das sieht man auch jetzt schon im Umgang miteinander. Die Jugendlichen sind alle begeistert. Mered stärkt die Stärken, er beurteilt unsere Talente ruhig und sachlich. Und obendrein kommt er auch noch sympathisch rüber.“

Quelle: www.noz.de/sport/os-sport/artikel/1985195/neuer-fechttrainer-des-osc-ich-will-hier-etwas-entwickeln

Autor: Peter Vorberg